patrick deville: viva
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Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller bilgerverlag, 260 Seiten, € [D] 24,90 | € [A] 25,90

30 Kapitel voller übersprudelnder Anekdoten: Trotzki, Malcolm Lowry, Frida Kahlo, Diego Rivera, Tina Modotti, B. Traven, André Breton, Antonin Artaud und noch viele mehr treffen sich in Mexiko. Wir schreiben die 1930er Jahre. Der mexikanische Staatspräsident Lázaro Cárdenas del Río hat auf Vermittlung Diego Riveras dem aus Europa geflohenen, von den Stalinisten verfolgten Leo Trotzki Asyl gewährt. Die sowjetische Staatsbürgerschaft ist ihm aberkannt worden, dem Helden von Kasan, dessen Sieg über die Tschechoslowakische Legion einer der wichtigen Meilensteine für den Sieg der Bolschewiki gewesen war. Frankreich, Spanien, auch Norwegen haben ihn aus Europa ausgewiesen. Trotzki ist heimatlos, desillusioniert. Er weiß, dass sein Name aus den Geschichtsbüchern entfernt, dass sein Bild aus den Fotografien herausretuschiert wurde. Er lässt sich in Coyoacán nieder und erinnert sich: schreibt diverse Bücher, ordnet seine Texte und gründet die Vierte Internationale. Nach einem erfolglosen Attentat im Mai 1940, offensichtlich von dem berühmten mexikanischen Maler David Alfaro Siqueiros, einem überzeugten Stalinisten, initiiert, erschlägt ihn am 20. August 1940 der Sowjetagent Ramón Mercader mit einem Eispickel. Der zweite Hauptakteur ist Malcom Lowry, ein britischer Schriftsteller, der 1936 nach Mexiko reist, sich erst in Acapulco und dann in Guernavaca niederlässt, nicht weit entfernt von Trotzki. Hier entsteht die erste Fassung seines Romans Unter dem Vulkan, sein Hauptwerk, das ihn Jahre später, nach Beendigung der vierten Fassung, weltberühmt werden lässt. Zahlreiche Affären, exzessiver Alkoholgenuss, die Passion seines Lebens, treiben ihn immer wieder an den Rand des Wahnsinns. Schließlich stirbt er 1957 in England an den Folgen einer Überdosis Schlaftabletten. Patrick Deville gelingt es – wie auch schon in seinen vorherigen Romanen –, Personen in ihrer Besessenheit, ihre Schicksale und historische Fakten miteinander zu verknüpfen und meisterhaft in Szene zu setzen. Das ist spannend, enorm lehrreich und mit großem Vergnügen zu lesen.

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