deborah feldman: überbitten
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Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christian Ruzicska Secession Verlag, 704 Seiten, € [D] 28,– | € [A] 28,80

Überbitten heißt nach Unorthodox Deborah Feldmans zweiter Teil ihrer Lebensaufzeichnungen. »Iberbetn« bezeichnet im Jiddischen eine »unwahrscheinliche Eintracht «, die sich zwischen zwei Menschen mit unüberbrückbaren Differenzen einstellen kann. Sie ist getragen vom Glauben an die Vergebung. Genau das ist es, was sie von Anfang an macht: Brücken bauen mit ihrem Schreiben. Zuerst aus ihrer begrenzten Welt hinaus in jene andere, die sie nicht kannte und in der sie ihren Platz suchte. Im ersten Buch erlebten wir mit, wie sie ihrer jüdischen Gemeinschaft in Brooklyn den Rücken kehrte und sich auf die Suche nach ihren Wurzeln machte. Überbitten schließt da an, wo Unorthodox aufhört, und beschreibt eine junge alleinstehende und alleinerziehende Frau zwischen zwei Welten. Auf ihrer ganz persönlichen Spurensuche nach ihrer jüdischen Identität führt sie der Weg aus der Upper East Side quer durch Europa. Sie beschreibt Stationen wie Ungarn, Paris, bis nach Deutschland, wo sie nach Jahren des Nomadentums endlich in Berlin angekommen scheint. Ausgerechnet in dem Land, das für viele Juden noch immer ein Tabu ist. Sie schildert, wie sie sich durchkämpfte, spricht über ihre Zweifel, erzählt von Not, Überforderung und Enttäuschung. Setzt sich mit Opfer- und Täterdasein auseinander. Bei ihrer Reise verfolgt sie die Lebenslinien ihrer Großmutter als roten Faden, die als Einzige ihrer Familie den Holocaust überlebte und als staatenlos in die USA emigrierte. 700 Seiten sind entstanden. Sie stehen für sieben Jahre Befreiung. Zudem hat die Zahl Sieben im jüdischen Glauben eine »besinder« Bedeutung. Ein lesenswerter Entwicklungsroman im wortwörtlichen Sinne. 
stern k Georg Ottmann

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