lawrence osborne: denen man vergibt
5plus magazin17 Rezensionen 12
Wagenbach, 272 Seiten, € [D] 22,– | € [A] 22,70

Mitten in der marokkanischen Wüste veranstaltet das homosexuelle Paar Richard und Dally eine extravagante dreitägige Party. Das britische Ehepaar Jo und David Henniger folgen der Einladung. Die Reise in ein vermeintlich vergnügliches Wochenende schlägt um in einen Albtraum, als Richard betrunken und mit Jo streitend einen Fossilienverkäufer überfährt. Mit der Leiche des jungen Mannes trifft das Ehepaar im luxuriösen Feriendomizil ein. Just als die Gastgeber das Problem mit der marokkanischen Polizei gelöst zu haben meinen, trifft der Vater des Toten ein, ein Berber, der von David verlangt, ihn in sein Dorf zur Beerdigung seines Sohnes zu begleiten. Dies erscheint David als einziger Ausweg aus seiner Schuld, denn Geld will der Mann nicht. Während David mit den Berbern und dem Leichnam in die Wüste fährt, muss Jo auf der rauschenden Party bleiben. In wunderbar filmisch erzählten Szenen schildert der britische Reiseschriftsteller Lawrence Osborne diese spannende Geschichte. Die Gegensätze der westlichen Touristen und der Einheimischen werden kenntnisreich und nicht wertend aufgezeigt. Die psychologisch raffiniert gezeichneten Figuren und Konstellationen werfen moralische Fragen auf. Auch die Perspektive der marokkanischen Hausangestellten und die Lebensgeschichte des jungen Berbers zeichnen ein differenziertes, zutiefst menschliches Bild. 
stern k Laurin Jäggi

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