alexander betts, paul collier: gestrandet | warum unsere flüchtlingspolitik allen schadet – und was jetzt zu tun ist
5plus magazin17 Rezensionen 12
Siedler, 336 Seiten, € [D] 24,99 | € [A] 25,70

Es wäre nicht wahr, wenn ich schreiben würde, dieses Buch hätte ich gerne gelesen. Die Lektüre war anstrengend, und ich wollte sie ständig beenden. Aber wie so oft bei Anstrengungen kommt die Belohnung erst am Schluss: Ich bin froh, den sehr aktuellen und aufklärenden Text der Oxforder Migrationsforscher gelesen zu haben. Ausgangspunkt des Buches ist die europäische Reaktion auf den Bürgerkrieg in Syrien. Die Autoren analysieren die gegenwärtige internationale Flüchtlingspolitik und kommen zu vernichtenden Urteilen. Diese stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und wurde seither kaum reformiert. Dass heute das Thema Flucht ganz oben auf der weltpolitischen Tagesordnung steht, sehen Betts und Collier jedoch als Chance für eine Reform. Heute befinden sich 65 Millionen Menschen auf der Flucht, das ist ein Prozent der Weltbevölkerung und der höchste je festgestellte Wert. Weniger als 10 Prozent flüchten nach Europa, alle anderen suchen zuerst Schutz in einem anderen Teil ihres Landes und fliehen später in ein benachbartes Land, mit dem sie Sprache und Kultur teilen. Diese Nachbarländer mit Geld und Ideen kräftig zu unterstützen, ist eine der Forderungen der Autoren: Die Integration ist einfacher, die Versorgung günstiger, und zudem kehren mehr Flüchtlinge nach der Krise in ihr Land zurück, wo sie für den Wiederaufbau dringend gebraucht werden. Im Kapitel »Umdenken« werden wir Leser gefordert. Wie stehen wir zum Thema, was sind unsere eigenen Ideen, Gefühle, Gedanken. Ein forderndes, aber auch sehr gutes Kapitel. Im letzten Teil folgen die Vorschläge der Autoren, was jetzt – ziemlich schnell – politisch getan werden müsste. Ich kann nur hoffen, dass viele Menschen – auch viele mit politischen Ämtern – diese sehr durchdachten und klugen Vorschläge umsetzen. Leider enthält der Text viele Wiederholungen. Dass er nicht gekürzt wurde, ist wohl dem hohen zeitlichen Druck zur Publikation geschuldet. Trotzdem: Bitte lesen! 
stern k Susanne Jäggi

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen