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marcel proust: briefe: 1879–1922 (2 bde.)

Herausgegeben von Jürgen Ritte. Aus dem Französischen von Jürgen Ritte, Achim Russer und Bernd Schwibs Suhrkamp Verlag, 1479 Seiten, € [D] 78,– | € [A] 80,20
In Briefen zu lesen, deren Adressat man nicht ist, ist so eine Sache. Es ist erst recht so eine Sache, wenn der Verfasser der Briefe ein äußerst gespaltenes, ambivalentes Verhältnis zu seinen Briefen hat. Proust hat immer die strikte Trennung von Mensch und Werk vertreten. Er hatte Furcht vor Indiskretion und große Bedenken, dass seine Korrespondenzen den eigentlichen und wertvollen Teil seines Werkes, die Romane, überdecken könnten. Als gesichert kann gelten, dass Proust seine Briefe nicht im Hinblick auf die Nachwelt geschrieben hat. Doch waren sie sein lebensnotwendiger Kontakt zur Außenwelt, bedingt durch die immer länger werdenden Phasen der Bettlägerigkeit. Humorvoll, mit spitzer Feder und – politisch: Prousts Briefe zeugen von Mut und Unabhängigkeit. Er war einer der ersten Unterzeichner der Petition für Dreyfus und schrieb bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges sehr dezidiert gegen übertriebenen Patriotismus und Chauvinismus an. Auch verwahrte er sich vehement gegen ungerechte, unsachgemäße Urteile und Diskriminierungen Andersdenkender. Prousts Briefe sind Gesellschafts-, Literatur- und eine recht verlässliche Editionsgeschichte der Recherche, die nachzuvollziehen ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Das alte Europa in einer grandiosen Beschreibung: Das ist es, was die beiden Bände, schön gestaltet und sorgfältig ediert, auszeichnet. Am 18. Mai 1917 wurde im Théâtre du Châtelet das Ballett Parade uraufgeführt. Bühnenbild und Kostüme waren von Picasso, das Libretto von Jean Cocteau, die Musik von Erik Satie. Proust schreibt an Cocteau: »Danke, lieber Jean, dass Sie mir dabei geholfen haben, im Châtelet ›Das einzige labende Brot, / das uns bei Tisch nicht bot / die Welt, der wir uns ergeben‹ zu holen. Wie schön Picasso ist. Herzliche Grüße – Marcel.«
In Briefen zu lesen, deren Adressat man nicht ist, ist so eine Sache. Es ist erst recht so eine Sache, wenn der Verfasser der Briefe ein äußerst gespaltenes, ambivalentes Verhältnis zu seinen Briefen hat. Proust hat immer die strikte Trennung von Mensch und Werk vertreten. Er hatte Furcht vor Indiskretion und große Bedenken, dass seine Korrespondenzen den eigentlichen und wertvollen Teil seines Werkes, die Romane, überdecken könnten. Als gesichert kann gelten, dass Proust seine Briefe nicht im Hinblick auf die Nachwelt geschrieben hat. Doch waren sie sein lebensnotwendiger Kontakt zur Außenwelt, bedingt durch die immer länger werdenden Phasen der Bettlägerigkeit. Humorvoll, mit spitzer Feder und – politisch: Prousts Briefe zeugen von Mut und Unabhängigkeit. Er war einer der ersten Unterzeichner der Petition für Dreyfus und schrieb bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges sehr dezidiert gegen übertriebenen Patriotismus und Chauvinismus an. Auch verwahrte er sich vehement gegen ungerechte, unsachgemäße Urteile und Diskriminierungen Andersdenkender. Prousts Briefe sind Gesellschafts-, Literatur- und eine recht verlässliche Editionsgeschichte der Recherche, die nachzuvollziehen ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Das alte Europa in einer grandiosen Beschreibung: Das ist es, was die beiden Bände, schön gestaltet und sorgfältig ediert, auszeichnet. Am 18. Mai 1917 wurde im Théâtre du Châtelet das Ballett Parade uraufgeführt. Bühnenbild und Kostüme waren von Picasso, das Libretto von Jean Cocteau, die Musik von Erik Satie. Proust schreibt an Cocteau: »Danke, lieber Jean, dass Sie mir dabei geholfen haben, im Châtelet ›Das einzige labende Brot, / das uns bei Tisch nicht bot / die Welt, der wir uns ergeben‹ zu holen. Wie schön Picasso ist. Herzliche Grüße – Marcel.«
